Ground Zeroes ist nicht mehr das Metal Gear wie man es kennt, es ist nun ein Spiel welches wesentlich offener und flexibler ist, wie die Vorgänger der Serie. Es ist außerdem weitaus zurückhaltender wie für ein Hideo Kojima Projekt üblich. Die von Kojima erwartete Absurdität ist vorhanden, jedoch erweitert sie die Geschichte anstatt sie zu dominieren.

Zum ersten Mal seit langem ist Metal Gear nicht vernarrt mit sich selbst, welches den Titel in ein willkommenes und begeisterndes Spielerlebnis wandelt.

Big Boss trifft auf Jack Bauer

Der Wechsel von David Hayter zu Kiefer Sutherland in der Rolle des Big Boss deutet auf mehreren Ebenen die drastische Änderungen des gesamten Spielgefühls der Serie hin, welches Kojima sehr anstrebt.  David Hayter war seit 1998 die Stimme des Soldaten, Söldner und Legende Solid Snake und Big Boss. Auch wenn er somit der Legende Leben einhauchte, so bringt Sutherland einen guten Teil mit in die Stimme.

Ground Zeroes stützt sich nicht auf ausgiebige Monologe um die Charaktere zu definieren, dies gibt  Sutherland einen gewissen Raum zum Atmen und es kommt nicht das Gefühl auf, dass er sich aufzwingt. Nach gut einer Stunde Spielzeit ist es einfach Snake und nicht „Ground Zeroes feat. Kiefer Sutherland“

Die Kunst des Dialoges

Selbst mit einer Wundervollen Ausführung kann die Teilweise schlecht geschriebene Dialogsequenz einen aus dem geschehen reißen. Die Metal Gear Reihe war schon immer durchzogen mit gelegentlichen Dialogpatzern, doch in Ground Zeroes fallen sie umso mehr auf, da es nicht sehr viele Dialoge gibt und manchmal kann es die gesamte Stimmung der Sequenz ruinieren.

Zum Glück und absolut unerwartet steht die Geschichte dem Spiel nicht im Weg, denn abgesehen vom Beginn und vom Ende, werden Videosequenzen auf ein Minimum reduziert.

Ein Grund dafür ist, dass die Hauptmission in unter zwei Stunden abgeschlossen werden kann, das jedoch hat mit der drastischen Strukturänderung von Metal Gear zu tun. Die Schlängelnden und sich in die Länge ziehenden Codec-Anrufe gehören nun der Vergangenheit an und stattdessen treffen die Funkdialoge nur ein, wenn man etwas Neues findet oder gezielt Informationen benötigt. Auch wenn man nun bestimmte Dinge vermisst, wie zum Beispiel wenn Colonel Campbell nach einem Satz Scheren verlangt, gibt es in Metal Gear nun einen ernsten und konstanten Ton.

Ein Hauch von Geschichte

Kojima geht mit Metal Gear Solid V: Ground Zeroes davon aus, dass man die gesamte Spielreihe kennt und das ist eine sehr große Voraussetzung. Der Grund dafür ist sehr einfach zu erklären, denn Ground Zeroes bezieht sich auf eine Menge an Ereignissen in Metal Gear Solid: Peacewalker.

Ground Zeroes und dessen geschichtlicher Inhalt ist im Vergleich zu den Vorgängern der Serie sehr minimal, denn sie bezieht sich einzig und allein auf die kurzen Ereignisse in „Camp Omega“, einer „Black Site“, welches an der Südseite Cubas liegt. Kurz nach dem Peacewalker Zwischenfall erfährt Big Boss, dass Paz, welche nach einem Kampf mit ihm von „Mother Base“ stürzte, überlebt hat. Paz welche einst an Big Boss Seite stand und seither wichtige Informationen über seine private Armee kennt, wurde als Doppelagent für „Cipher“ enttarnt und von Big Boss zu einer Gefahr eingestuft.

Kazuhira Miller, welcher seit Beginn von Peacewalker an der Seite von Big Boss steht, überzeugt ihn Paz, welche im Camp Omega zum Verhör festgehalten wird zu finden und zur Mother Base zurück zu bringen, da sie deren einzige Verbindung zu „Cipher“ ist.

Nachdem Ricardo Valenciano Libre, besser bekannt als Chico, bei seinem Versuch Paz zu retten ebenfalls gefangen genommen und auf Camp Omega verhört wird, entschließt Big Boss sich alleine auf den Weg nach Cuba zu machen um Paz und Chico von dort zu befreien.

Kurz nachdem Big Boss sich auf den Weg in Richtung Camp Omega begibt, steht eine Inspektion der „IAEA“ und der „UN“ an, da behauptet wird, dass Big Boss nuklearen Treibstoff aus Usbekistan gekauft habe, doch sowohl Big Boss als auch Kazuhira Miller wissen, dass das nur ein Vorwand ist um sich an Big Boss zu rächen, da Cipher in der letzten Konfrontation mit Big Boss und seinen Söldner stark geschwächt wurde.

Wenn einem die Namen Paz , Cipher oder Chico nichts sagen, dann kommen einem die Schlüsselmomente des Spiels sehr bedeutungslos oder dumpf vor. Es gibt zwar eine 12 seitige Zusammenfassung aber wenn man nichts weiter als diese hat, fühlt man sich teilweise sehr aufgeschmissen. Und auch wenn man keine Ahnung von der Vorgeschichte hat, bringt Ground Zeroes doch eine Menge mit sich, denn es spielt sich besser als alle Vorgänger.